Akustische Musikproduktion: Aufnahme, Mikrofone und Mixing

Veröffentlicht am 16. November 2023
aktualisiert am 22. April 2026
Akustische Musikproduktion – Aufnahme, Mikrofone und Mixing

Akustische Musikproduktion bedeutet: akustische Instrumente aufnehmen und so abmischen, dass der natürliche Klang erhalten bleibt. Kein Amp-Sim, kein Synthesizer, kein programmiertes Schlagzeug – stattdessen ein Mikrofon, ein Instrument und ein Raum. Das klingt einfach, ist aber technisch anspruchsvoller als die meisten anderen Produktionsarten. Jedes Nebengeräusch, jede Raumreflexion, jede Ungenauigkeit in der Mikrofon-Positionierung ist im Endprodukt hörbar.

Dieser Guide zeigt, wie du akustische Instrumente professionell aufnimmst: welche Mikrofone und Positionen für welches Instrument funktionieren, warum der Raum wichtiger ist als das Mikrofon, und wie du beim Mixing den natürlichen Charakter bewahrst, statt ihn mit Effekten zuzudecken.

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Was akustische Musikproduktion ausmacht

Bei elektronischer Musik oder Band-Produktionen mit Amp-Sims und Drum-Samples kontrollierst du den Sound am Computer. Bei akustischer Musikproduktion entsteht der Sound im Raum – das Mikrofon fängt ein, was da ist. Das bedeutet: die Qualität der Aufnahme wird zum größten Teil vor dem Mikrofon entschieden, nicht dahinter.

Drei Faktoren bestimmen das Ergebnis: das Instrument (wie es klingt, wie es gestimmt ist, wie es gespielt wird), der Raum (Akustik, Reflexionen, Nachhall) und die Mikrofonierung (Typ, Position, Abstand). Das Mixing danach kann vieles verbessern, aber einen schlechten Raumklang oder eine falsche Mikrofon-Position nicht rückgängig machen.

Warum der Raum das wichtigste „Instrument“ ist

Akustische Musikproduktion – Raumakustik im Tonstudio

Jeder Raum klingt anders. Ein Wohnzimmer mit glatten Wänden und Fliesenboden erzeugt harte Reflexionen und einen metallischen Nachhall. Ein akustisch behandelter Aufnahmeraum hat kontrollierte Reflexionen und einen kurzen, gleichmäßigen Nachhall – genau das, was akustische Instrumente brauchen, um klar und natürlich zu klingen.

Für akustische Aufnahmen im Homerecording kannst du den Raum verbessern: Teppich auf den Boden, schwere Vorhänge an die Fenster, Bücherregal als Diffusor, Absorberplatten an den Erstreflexionspunkten (die Stellen an den Wänden, an denen der Schall vom Instrument zum Mikrofon reflektiert wird). Mehr dazu im Homerecording-Guide und im Audioglossar unter Akustik Grundlagen.

Für professionelle akustische Aufnahmen – Klavier, Streicher, Ensembles, Chöre – ist ein akustisch optimierter Aufnahmeraum fast immer notwendig. Der Raum gibt den Instrumenten Tiefe und Natürlichkeit, die kein Plugin nachbilden kann.

💡 Praxis-Tipp

Bevor du ein Mikrofon aufstellst: klatsche einmal laut in die Hände und hör zu, was passiert. Hörst du ein kurzes, flaches „Klapp“? Der Raum ist gut bedämpft. Hörst du ein Flattern oder ein Ping? Da sind harte Reflexionen, die in der Aufnahme landen werden. In dem Fall: Absorber an die gegenüberliegenden Wände stellen oder den Aufnahmeort wechseln.

Akustikgitarre aufnehmen

Die Akustikgitarre ist das am häufigsten aufgenommene akustische Instrument – und eines der am häufigsten falsch mikrofonierten. Die meisten Anfänger richten das Mikrofon auf das Schallloch. Das Ergebnis: ein dröhniger, basslastiger Sound, weil der Großteil der tiefen Frequenzen aus dem Schallloch kommt.

Standard-Position: 12. Bund, 15–20 cm Abstand. Richte ein Kleinmembran-Kondensatormikrofon (z. B. Rode NT5, AKG C451, Neumann KM 184) auf den Bereich zwischen 12. Bund und Schallloch, etwa 15–20 cm Abstand. Das liefert den ausgewogensten Klang: genug Body vom Korpus, genug Brillanz von den Saiten.

Zwei-Mikrofon-Setup. Für mehr Kontrolle: ein Kleinmembran-Kondensator auf den 12. Bund (Brillanz, Saitenanschlag) und ein Großmembran-Kondensator (z. B. Rode NT1, AKG C414) auf den Korpus/Steg-Bereich (Body, Tiefe). Beide Mikrofone im Mix mischen – das Verhältnis bestimmt den Klangcharakter. Phasencheck nicht vergessen: wenn die Mikrofone phasenverkehrt stehen, löschen sich Frequenzen aus und der Sound wird dünn.

Was nicht geht: Nur ein DI-Signal vom Piezo-Pickup. Der eingebaute Pickup einer Akustikgitarre klingt dünn, nasal und „plastisch“ – für Live brauchbar, für Studioaufnahmen nicht. Wenn du einen Pickup nutzt, kombiniere ihn mit einem Mikrofon.

Klavier aufnehmen

Klavier aufnehmen – Mikrofonierung und Raumklang

Klavier ist eines der anspruchsvollsten Instrumente in der Aufnahme – riesiger Dynamikumfang, breites Frequenzspektrum (27 Hz bis über 4 kHz Grundfrequenz), und der Sound kommt aus einem großen Resonanzkörper.

Flügel – Stereo-Paar über den Saiten. Deckel auf halber Höhe oder voll geöffnet. Zwei Kleinmembran-Kondensatormikrofone in AB-Technik oder ORTF-Technik über den Saiten, ca. 30–50 cm Abstand. Eines über dem Bassbereich, eines über den Diskantsaiten. Das ergibt ein natürliches Stereobild mit guter Balance.

Flügel – Raum-Mikrofone. Zusätzlich ein Stereo-Paar im Raum (2–3 Meter Abstand) für Raumklang und Tiefe. Besonders bei Solo-Klavier oder Kammermusik macht der Raumanteil einen großen Teil des Klangerlebnisses aus.

Upright Piano. Rückwand öffnen (falls möglich), Mikrofone hinter dem Klavier aufstellen. Alternativ: Deckel öffnen und von oben mikrophonieren. Uprights klingen in der Aufnahme fast immer enger und weniger räumlich als Flügel – das lässt sich im Mix mit etwas Hall ausgleichen.

Streicher und Bläser

Violine und Viola. Ein Kleinmembran-Kondensator in 30–60 cm Abstand, leicht über dem Instrument positioniert (nicht direkt auf die F-Löcher, sonst wird der Sound zu nasal). Abstand und Winkel bestimmen das Verhältnis von Direktsound zu Raumklang.

Cello. Ähnlich wie bei der Gitarre: Mikrofon zwischen Steg und Griffbrett, 30–50 cm Abstand. Bei Ensembles zusätzlich ein Raummikrofon.

Bläser. Bläser brauchen mehr Abstand als Streich- oder Saiteninstrumente – 50 cm bis 1 Meter, je nach Instrument und Lautstärke. Trompete und Saxophon erzeugen hohe Schalldruckpegel – ein Kondensatormikrofon mit hohem SPL-Maximum (z. B. AKG C414, Neumann U87) oder ein dynamisches Mikrofon (SM57, RE20) ist hier nötig. Nicht direkt in die Schallöffnung zielen, sondern leicht seitlich oder von oben – das vermeidet harsche Frequenzspitzen.

🎯 Mikrofonwahl für akustische Instrumente

Kleinmembran-Kondensatormikrofone (Rode NT5, AKG C451, Neumann KM 184) sind die Allzweckwaffe für akustische Aufnahmen: präzise, detailreich, schnelle Transientenabbildung. Großmembran-Kondensatormikrofone (Rode NT1, AKG C414, Neumann U87) liefern mehr „Körper“ und eignen sich für Solo-Instrumente, die im Mix vorne stehen sollen. Mehr zur Mikrofonwahl im Guide zum Mikrofon finden.

Mixing akustischer Aufnahmen

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Mixing akustischer Musik folgt einem anderen Prinzip als Pop, Rock oder elektronische Musik: weniger ist mehr. Ziel ist nicht, den Sound zu „formen“, sondern das, was bei der Aufnahme eingefangen wurde, sauber und natürlich zu präsentieren.

EQ: subtraktiv statt additiv. Probleme entfernen, statt Charakter hinzufügen. High-Pass bei 40–80 Hz (je nach Instrument), um Rumpeln und Trittschall zu entfernen. Schmale Cuts bei Resonanzfrequenzen, die im Raum entstanden sind. Additive EQ-Arbeit nur minimal – ein leichter Shelf bei 8–12 kHz für Luft, wenn nötig. Mehr im Glossar unter Equalizer.

Kompression: vorsichtig. Akustische Instrumente leben von ihrer Dynamik. Ein Klavier, das sanft beginnt und sich zu einem Forte aufbaut, verliert seine Wirkung, wenn der Kompressor die Dynamik einebnet. Ratio 2:1 bis 3:1, Attack langsam (20–30 ms), damit die Transienten des Instruments durchkommen. Gain Reduction nicht mehr als 2–3 dB bei den lautesten Stellen. Mehr unter Kompressor & Limiter.

Hall: Raumklang ergänzen. Wenn die Aufnahme in einem akustisch guten Raum mit Raummikrofonen gemacht wurde, brauchst du oft gar keinen zusätzlichen Hall. Bei Homerecording-Aufnahmen in trockenen Räumen kann ein Algorithmic Reverb (Valhalla Vintage Verb, FabFilter Pro-R) den fehlenden Raumklang ergänzen. Dabei gilt: Plate Reverb klingt bei Akustikgitarre warm und intim, Hall/Room bei Klavier natürlich, Chamber bei Streichern edel.

Panning und Tiefenstaffelung. Bei Ensemble-Aufnahmen die Instrumente dort im Stereopanorama platzieren, wo sie auch auf einer Bühne stehen würden: Violine 1 leicht links, Violine 2 mittig-links, Viola mittig-rechts, Cello rechts. Die Tiefe (vorn vs. hinten im Mix) steuerst du über das Verhältnis von Direkt- zu Raumsignal.

Akustische Musikproduktion – Homerecording oder Tonstudio?

Homerecording vs. Tonstudio

Akustische Musik ist der Bereich, in dem der Unterschied zwischen Homerecording und Tonstudio am größten ist. E-Gitarre über ein Amp-Sim klingt zu Hause und im Studio identisch – die Signalkette ist digital. Eine Akustikgitarre klingt in einem behandelten Aufnahmeraum mit hochwertigen Mikrofonen fundamental anders als in einem Schlafzimmer mit einem 100-€-Mikrofon.

Homerecording funktioniert für: Demos, Songskizzen, Singer-Songwriter-Projekte mit ein bis zwei Instrumenten, Spuren, die ohnehin stark bearbeitet oder mit anderen Elementen gemischt werden.

Tonstudio lohnt sich für: Releases, die veröffentlicht werden (Spotify, Apple Music, physisch). Aufnahmen mit Klavier, Streichern oder größeren Ensembles. Projekte, bei denen der natürliche Raumklang Teil des Sounds ist (Jazz, Klassik, Folk, Singer-Songwriter).

Ein pragmatischer Hybrid-Workflow: Demos und Vorproduktion zu Hause, finale Aufnahmen der akustischen Instrumente im Studio. So sparst du Studiozeit bei den Schritten, die zu Hause gut genug funktionieren, und investierst dort, wo der Raum den Unterschied macht.

Wenn du akustische Instrumente professionell aufnehmen willst – ob Gitarre, Klavier, Streicher oder ein ganzes Ensemble – findest du bei uns akustisch optimierte Aufnahmeräume, hochwertige Mikrofone und einen Engineer, der weiß, wo er sie hinstellt. Alle Infos auf unserer Seite zur Musikproduktion und zu Band-Aufnahmen. Oder du nutzt unseren Online-Mixing und Mastering Service, wenn du die Aufnahmen selbst machst und den Mix abgeben willst. Schreib uns – wir besprechen, was für dein Projekt am meisten Sinn ergibt.

Häufige Fragen

Welches Mikrofon für Akustikgitarre?

Ein Kleinmembran-Kondensatormikrofon (Rode NT5, AKG C451, Neumann KM 184) auf den 12. Bund gerichtet, 15–20 cm Abstand. Für mehr Kontrolle: zweites Großmembran-Kondensator auf den Korpus/Steg. Nie nur den Piezo-Pickup der Gitarre verwenden – der klingt in Studioaufnahmen dünn und nasal.

Wie wichtig ist der Raum bei akustischen Aufnahmen?

Sehr wichtig – wichtiger als das Mikrofon. Ein gutes Mikrofon in einem schlechten Raum klingt schlechter als ein mittelmäßiges Mikrofon in einem guten Raum. Für professionelle akustische Aufnahmen ist ein akustisch behandelter Raum fast Pflicht. Für Homerecording helfen Absorber, Teppiche und Vorhänge.

Brauche ich für akustische Musik viel Kompression?

Nein – eher das Gegenteil. Akustische Instrumente leben von ihrer Dynamik. Mäßige Kompression (2:1 bis 3:1, 2–3 dB GR) genügt, um den Pegel auszugleichen. Zu viel Kompression macht den Klang leblos und unnatürlich.

Kann ich akustische Musik zu Hause aufnehmen?

Für Demos und einfache Singer-Songwriter-Projekte ja. Für Veröffentlichungen mit professionellem Anspruch wird der Raum zum Flaschenhals – hier lohnt sich die Aufnahme im Tonstudio mit akustisch optimierten Räumen und professionellen Mikrofonen.

Welche Stereo-Technik für Klavier?

AB-Technik oder ORTF-Technik mit zwei Kleinmembran-Kondensatormikrofonen über den Saiten (30–50 cm Abstand). Eines über dem Bass, eines über den Diskant. Zusätzliche Raummikrofone in 2–3 Meter Abstand ergänzen Tiefe und Natürlichkeit.

Was kostet professionelle akustische Aufnahme im Tonstudio?

Hängt von Umfang und Dauer ab. Einzelne Instrumente (Akustikgitarre, Gesang) lassen sich in 1–2 Stunden aufnehmen. Klavier-Sessions brauchen eher 3–4 Stunden. Ensemble-Aufnahmen (Streicher, Bläser) sind komplexer und brauchen mehr Vorbereitungs- und Aufnahmezeit. Alle Details zu unseren Preisen findest du auf der Preisseite.

Über den Author

Janosch Rittmüller ist vielseitiger Tontechniker, Musiker und Musikproduzent im Faceline Tonstudio. Seine musikalische Reise begann früh unter dem Einfluss seines Vaters. Nach seinem Studium an der SAE in München, hat er sich auf Tontechnik spezialisiert und engagiert sich auch in Webdesign und Videoproduktion. Janosch liebt es, neue Talente zu entdecken und gemeinsam kreative Projekte zu verwirklichen. Kontaktiere ihn im Faceline Tonstudio für Fragen oder Kooperationen

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