
Definition
Kompressor und Limiter sind Werkzeuge zur Dynamikbearbeitung – sie kontrollieren den Lautstärkeunterschied zwischen den leisesten und lautesten Stellen eines Audiosignals. Ein Kompressor reduziert diesen Dynamikumfang kontrolliert, ein Limiter setzt eine harte Obergrenze. Beide gehören zu den wichtigsten Effekten in der Musikproduktion und kommen beim Recording, Mixing und Mastering zum Einsatz.
So funktioniert ein Kompressor
Ein Kompressor überwacht den Pegel eines Signals und senkt ihn ab, sobald er einen eingestellten Threshold (Schwellenwert) überschreitet. Wie stark abgesenkt wird, bestimmt die Ratio: Bei 4:1 wird ein Signal, das 8 dB über dem Threshold liegt, auf 2 dB über dem Threshold reduziert. Die Attack-Zeit legt fest, wie schnell der Kompressor zugreift – eine schnelle Attack fängt Transienten (z. B. den Anschlag einer Snare) ab, eine langsame Attack lässt sie durch und erzeugt mehr Punch. Die Release-Zeit bestimmt, wie schnell der Kompressor loslässt, wenn das Signal wieder unter den Threshold fällt. Knee regelt den Übergang: Ein Hard Knee greift abrupt am Threshold, ein Soft Knee setzt weicher und musikalischer ein. Nach der Kompression wird der Pegel über Makeup Gain wieder angehoben, um den Lautstärkeverlust auszugleichen.
Kompressor-Typen
Verschiedene Schaltungsdesigns erzeugen unterschiedlichen Klangcharakter. VCA-Kompressoren (z. B. SSL G-Bus, dbx 160) arbeiten präzise und transparent – Standard auf dem Mix-Bus. FET-Kompressoren (z. B. Universal Audio 1176) reagieren extrem schnell und eignen sich für aggressive, punchige Kompression bei Drums, Gesang und Gitarre. Opto-Kompressoren (z. B. Teletronix LA-2A) nutzen ein lichtgesteuertes Element und komprimieren weich und musikalisch – Klassiker für Gesang und Bass. Variable-Mu-Kompressoren (z. B. Fairchild 670, Manley Vari-Mu) liefern eine sanfte, „klebende“ Kompression und werden häufig im Mastering eingesetzt.
Was ist ein Limiter?
Ein Limiter ist im Kern ein Kompressor mit extrem hoher Ratio (oft ∞:1) und sehr schneller Attack-Zeit. Er lässt kein Signal über den eingestellten Threshold hinaus – eine harte Pegelgrenze. Limiter werden eingesetzt, um Clipping zu verhindern, Aufnahmepegel abzusichern und im Mastering die Gesamtlautheit eines Mixes zu erhöhen. Bekannte Mastering-Limiter sind der FabFilter Pro-L, der Waves L2 und der iZotope Maximizer.
Sidechain-Kompression
Bei der Sidechain-Kompression wird der Kompressor nicht vom eigenen Signal gesteuert, sondern von einem externen Trigger. Die bekannteste Anwendung: Die Bassspur wird durch die Kick-Drum getriggert – bei jedem Kick-Schlag „duckt“ der Bass kurz weg und gibt der Kick Platz im Mix. Das Ergebnis ist ein aufgeräumter Low-End-Bereich. Sidechain-Kompression wird auch in elektronischer Musik als Stilmittel für den typischen „Pump“-Effekt genutzt.
Praxistipps
Weniger ist mehr: 2–4 dB Gain Reduction reichen bei den meisten Quellen aus. Beobachte das Gain-Reduction-Meter und höre bewusst den Unterschied zwischen komprimiertem und unkomprimiertem Signal (Bypass-Vergleich bei gleichem Lautstärkepegel). Bei Gesang funktioniert oft eine Kombination aus leichter Kompression beim Recording und gezielter Nachbearbeitung im Mix. Im Mastering gilt: Ein Limiter sollte Lautheit erzeugen, ohne hörbare Verzerrungen – mehr als 3–4 dB Gain Reduction am Limiter ist in der Regel zu aggressiv.