XY-Technik

Veröffentlicht am 11. Mai 2023
aktualisiert am 13. März 2026

Definition

Die XY-Technik ist eine koinzidente Stereoaufnahmetechnik, bei der zwei identische Mikrofone mit Nierencharakteristik übereinander platziert und in einem Winkel zueinander ausgerichtet werden. Die Kapseln befinden sich dabei möglichst am selben Punkt – daher der Begriff Koinzidenz. Das Stereobild entsteht ausschließlich durch Pegelunterschiede (Intensitätsstereofonie): Schall von links trifft das linke Mikrofon stärker als das rechte, und umgekehrt. Laufzeitunterschiede spielen bei korrektem Aufbau keine Rolle.

Aufbau

Beide Mikrofone werden übereinander montiert, sodass die Kapseln möglichst dicht beieinander liegen. Der Standardwinkel beträgt 90 Grad und ergibt ein fokussiertes Stereobild. Ein Winkel von 120 Grad erzeugt eine breitere Abbildung, bei der die Mitte etwas weniger betont wird. Wichtig ist, dass die Kapseln exakt übereinander stehen – seitlicher Versatz führt zu Laufzeitunterschieden und verfälscht das Prinzip der reinen Intensitätsstereofonie.

Vorteile

Der größte Vorteil der XY-Technik ist ihre hervorragende Monokompatibilität. Da das Stereobild nur auf Pegelunterschieden basiert und keine Laufzeitdifferenzen entstehen, gibt es beim Zusammenfalten auf Mono keine Phasenauslöschungen. Das macht XY zur bevorzugten Wahl, wenn die Aufnahme auch über Mono-Wiedergabesysteme funktionieren muss – etwa im Radio, auf Smartphone-Lautsprechern oder bei Club-Beschallungen. Die Einrichtung ist zudem schnell und unkompliziert.

Einschränkungen

Im Vergleich zur AB-Technik klingt XY tendenziell enger und weniger räumlich, da der Raumanteil geringer ausfällt. Das Stereobild ist präzise, aber weniger immersiv. Für Aufnahmen, bei denen ein breites, luftiges Raumgefühl im Vordergrund steht, ist AB oder ORTF oft die bessere Wahl.

Typische Einsatzbereiche

XY eignet sich besonders für Solo-Instrumente und kleine Ensembles, bei denen Präzision und Ortungsschärfe wichtiger sind als ein breites Raumbild. Auch bei Live-Mitschnitten ist die Technik beliebt, wenn Monokompatibilität gefordert ist. Für Field Recording bieten viele tragbare Recorder bereits eingebaute XY-Kapseln (z. B. Zoom H5, H6), was die Technik besonders zugänglich macht. Im Studio kommt XY häufig als Overhead-Paar für Schlagzeug zum Einsatz.

Praxistipps

Verwende zwei identische Kleinmembran-Kondensatormikrofone mit Nierencharakteristik – idealerweise ein gematchtes Paar. Klassiker sind das Neumann KM 184, das Rode NT5 oder das AKG C451. Starte mit 90 Grad und vergrößere den Winkel, wenn du mehr Stereobreite brauchst. Höre das Ergebnis bewusst auch in Mono ab, um die Stärke der Technik zu überprüfen. Bei größeren Ensembles kann es sinnvoll sein, XY mit Stützmikrofonen zu kombinieren, um Details einzelner Instrumente hervorzuheben.

Über den Author

Janosch Rittmüller ist vielseitiger Tontechniker, Musiker und Musikproduzent im Faceline Tonstudio. Seine musikalische Reise begann früh unter dem Einfluss seines Vaters. Nach seinem Studium an der SAE in München, hat er sich auf Tontechnik spezialisiert und engagiert sich auch in Webdesign und Videoproduktion. Janosch liebt es, neue Talente zu entdecken und gemeinsam kreative Projekte zu verwirklichen. Kontaktiere ihn im Faceline Tonstudio für Fragen oder Kooperationen

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