Definition
Die M/S-Technik (Mid/Side) ist eine Stereoaufnahmetechnik, bei der zwei Mikrofone ein räumliches Klangbild erzeugen. Das Mid-Mikrofon zeigt direkt auf die Schallquelle und fängt das Mittensignal ein – üblicherweise ein Mikrofon mit Nieren- oder Kugelcharakteristik. Das Side-Mikrofon steht im 90-Grad-Winkel dazu und besitzt eine Achtercharakteristik. Es nimmt ausschließlich den seitlichen Raumschall auf. Beide Mikrofone werden übereinander oder möglichst dicht beieinander positioniert.
So funktioniert die M/S-Decodierung
Das M/S-Signal kann nicht direkt als Stereo abgehört werden – es muss erst decodiert werden. Dafür wird das Side-Signal dupliziert und die Phase einer der beiden Kopien invertiert. Anschließend addierst du:
- Linker Kanal = Mid + Side
- Rechter Kanal = Mid − Side (phasenverkehrt)
In den meisten DAWs gibt es dafür fertige M/S-Decoder-Plugins, die diesen Schritt automatisieren.
Vorteile
Der größte Vorteil der M/S-Technik: Die Stereobreite lässt sich nachträglich stufenlos regeln, indem du das Verhältnis von Mid- zu Side-Signal anpasst. Mehr Side-Anteil ergibt ein breiteres Klangbild, weniger Side-Anteil fokussiert die Mitte. In Kombination mit einem EQ lassen sich sogar gezielt einzelne Frequenzbereiche in der Breite verändern – zum Beispiel die Bässe enger und die Höhen breiter gestalten. Außerdem ist die M/S-Technik vollständig monokompatibel: Beim Zusammenfalten auf Mono hebt sich das Side-Signal auf, das Mittensignal bleibt unverändert erhalten.
Typische Einsatzbereiche
In der Musikproduktion eignet sich M/S besonders für Ensemble- und Orchesteraufnahmen, akustische Gitarre oder Klavier, wenn maximale Flexibilität in der Nachbearbeitung gewünscht ist. In der Film- und Videoproduktion ist M/S weit verbreitet für Atmo- und Ambience-Aufnahmen, da sich die Stereobreite im Post anpassen lässt, ohne neu aufzunehmen. Auch im Mastering kommt die M/S-Verarbeitung häufig zum Einsatz, um die räumliche Balance eines fertigen Mixes nachträglich zu korrigieren.
Praxistipps
Als Mid-Mikrofon eignen sich Kleinmembran-Kondensatoren wie das Neumann KM 184 oder Großmembraner wie das AKG C414. Für das Side-Mikrofon brauchst du ein Mikrofon mit Achtercharakteristik – Bändchenmikrofone wie das Royer R-121 oder Großmembraner mit umschaltbarer Charakteristik funktionieren gut. Achte darauf, dass beide Kapseln möglichst exakt übereinander positioniert sind, um Laufzeitunterschiede zu minimieren. Vor dem Aufnehmen lohnt ein kurzer Mono-Check: Falt das decodierte Signal auf Mono zusammen und höre, ob der Klang stabil bleibt – so erkennst du Phasenprobleme sofort. Bedenke außerdem, dass die M/S-Technik den Raumklang stark miterfasst. Ein gut klingender Aufnahmeraum ist daher entscheidend für das Ergebnis.