M/S-Technik

Veröffentlicht am 8. Mai 2023
aktualisiert am 13. März 2026

Definition

Die M/S-Technik (Mid/Side) ist eine Stereoaufnahmetechnik, bei der zwei Mikrofone ein räumliches Klangbild erzeugen. Das Mid-Mikrofon zeigt direkt auf die Schallquelle und fängt das Mittensignal ein – üblicherweise ein Mikrofon mit Nieren- oder Kugelcharakteristik. Das Side-Mikrofon steht im 90-Grad-Winkel dazu und besitzt eine Achtercharakteristik. Es nimmt ausschließlich den seitlichen Raumschall auf. Beide Mikrofone werden übereinander oder möglichst dicht beieinander positioniert.

So funktioniert die M/S-Decodierung

Das M/S-Signal kann nicht direkt als Stereo abgehört werden – es muss erst decodiert werden. Dafür wird das Side-Signal dupliziert und die Phase einer der beiden Kopien invertiert. Anschließend addierst du:

  • Linker Kanal = Mid + Side
  • Rechter Kanal = Mid − Side (phasenverkehrt)

In den meisten DAWs gibt es dafür fertige M/S-Decoder-Plugins, die diesen Schritt automatisieren.

Vorteile

Der größte Vorteil der M/S-Technik: Die Stereobreite lässt sich nachträglich stufenlos regeln, indem du das Verhältnis von Mid- zu Side-Signal anpasst. Mehr Side-Anteil ergibt ein breiteres Klangbild, weniger Side-Anteil fokussiert die Mitte. In Kombination mit einem EQ lassen sich sogar gezielt einzelne Frequenzbereiche in der Breite verändern – zum Beispiel die Bässe enger und die Höhen breiter gestalten. Außerdem ist die M/S-Technik vollständig monokompatibel: Beim Zusammenfalten auf Mono hebt sich das Side-Signal auf, das Mittensignal bleibt unverändert erhalten.

Typische Einsatzbereiche

In der Musikproduktion eignet sich M/S besonders für Ensemble- und Orchesteraufnahmen, akustische Gitarre oder Klavier, wenn maximale Flexibilität in der Nachbearbeitung gewünscht ist. In der Film- und Videoproduktion ist M/S weit verbreitet für Atmo- und Ambience-Aufnahmen, da sich die Stereobreite im Post anpassen lässt, ohne neu aufzunehmen. Auch im Mastering kommt die M/S-Verarbeitung häufig zum Einsatz, um die räumliche Balance eines fertigen Mixes nachträglich zu korrigieren.

Praxistipps

Als Mid-Mikrofon eignen sich Kleinmembran-Kondensatoren wie das Neumann KM 184 oder Großmembraner wie das AKG C414. Für das Side-Mikrofon brauchst du ein Mikrofon mit Achtercharakteristik – Bändchenmikrofone wie das Royer R-121 oder Großmembraner mit umschaltbarer Charakteristik funktionieren gut. Achte darauf, dass beide Kapseln möglichst exakt übereinander positioniert sind, um Laufzeitunterschiede zu minimieren. Vor dem Aufnehmen lohnt ein kurzer Mono-Check: Falt das decodierte Signal auf Mono zusammen und höre, ob der Klang stabil bleibt – so erkennst du Phasenprobleme sofort. Bedenke außerdem, dass die M/S-Technik den Raumklang stark miterfasst. Ein gut klingender Aufnahmeraum ist daher entscheidend für das Ergebnis.

Über den Author

Janosch Rittmüller ist vielseitiger Tontechniker, Musiker und Musikproduzent im Faceline Tonstudio. Seine musikalische Reise begann früh unter dem Einfluss seines Vaters. Nach seinem Studium an der SAE in München, hat er sich auf Tontechnik spezialisiert und engagiert sich auch in Webdesign und Videoproduktion. Janosch liebt es, neue Talente zu entdecken und gemeinsam kreative Projekte zu verwirklichen. Kontaktiere ihn im Faceline Tonstudio für Fragen oder Kooperationen

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