
Definition
Dynamische Mikrofone wandeln Schallwellen nach dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion in elektrische Signale um. Eine dünne Membran ist mit einer Schwingspule verbunden, die sich in einem permanenten Magnetfeld bewegt. Durch die Auslenkung der Membran entsteht eine Wechselspannung – das Audiosignal. Dieses einfache und bewährte Prinzip macht dynamische Mikrofone besonders robust und zuverlässig.
Eigenschaften
Dynamische Mikrofone zeichnen sich durch mehrere praxisrelevante Vorteile aus. Sie vertragen Stöße, Feuchtigkeit und raue Bedingungen deutlich besser als Kondensatormikrofone. Anders als diese benötigen sie weder Phantomspeisung noch Batterien. Ihr hoher Grenzschalldruckpegel erlaubt die verzerrungsfreie Aufnahme extrem lauter Quellen wie Schlagzeug oder Gitarrenverstärker. Gleichzeitig fangen sie im Vergleich zu Kondensatormikrofonen weniger Raumklang und Hintergrundgeräusche ein – auf lauten Bühnen ein klarer Vorteil.
Typen dynamischer Mikrofone
Tauchspulenmikrofone (Moving Coil)
Der bei Weitem häufigste Typ. Klassiker wie das Shure SM57 und SM58 oder das Sennheiser MD 421 gehören seit Jahrzehnten zur Standardausrüstung in Studios und auf Bühnen weltweit. Ihre Bauweise ist simpel, wartungsfrei und nahezu unverwüstlich.
Bändchenmikrofone
Bei Bändchenmikrofonen dient ein hauchdünner Metallstreifen gleichzeitig als Membran und Induktor. Sie sind bekannt für ihren warmen, natürlichen Klang mit sanft abfallenden Höhen. Modelle wie das Royer R-121 oder das beyerdynamic M 160 sind in professionellen Studios geschätzt. Bändchenmikrofone besitzen in der Regel eine Achtercharakteristik und reagieren empfindlicher auf mechanische Einflüsse als Tauchspulenmikrofone. Bei passiven Bändchenmikrofonen ist Phantomspeisung grundsätzlich ein Risiko – ein defektes Kabel kann das empfindliche Bändchen zerstören. Aktive Bändchenmikrofone (z. B. Royer R-122) benötigen Phantomspeisung hingegen zum Betrieb. Grundregel: Phantomspeisung nur anlegen, wenn der Hersteller es ausdrücklich freigibt.
Typische Einsatzbereiche
Auf der Live-Bühne sind dynamische Mikrofone die erste Wahl: unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit, Feedback und mechanischen Belastungen. Bei Instrumentenaufnahmen im Studio kommen sie häufig an Snare, Toms, Gitarren- und Bassverstärkern sowie Bläsern zum Einsatz. Für Gesang eignen sie sich besonders, wenn eine direkte, durchsetzungsfähige Klangfarbe gewünscht ist. Im Bereich Broadcast und Podcast haben sich Mikrofone wie das Shure SM7B und das Electro-Voice RE20 als Standard etabliert.
Praxistipps
Der Nahbesprechungseffekt tritt bei allen Mikrofonen mit gerichteter Charakteristik auf – also bei Niere, Superniere und besonders stark bei der Achtercharakteristik. Da die meisten dynamischen Mikrofone eine Nierencharakteristik besitzen, ist der Effekt auch hier relevant: Je näher die Schallquelle, desto stärker werden tiefe Frequenzen betont. Das lässt sich gezielt für volleren Klang nutzen – oder durch größeren Abstand reduzieren. Generell lohnt es sich, vor der eigentlichen Aufnahme verschiedene Positionen und Winkel zu testen, da schon kleine Änderungen den Klang deutlich verändern. Achte außerdem auf die Richtcharakteristik deines Mikrofons – die Nierencharakteristik reduziert seitlichen Schall und minimiert Rückkopplungen.