
Definition
MIDI steht für Musical Instrument Digital Interface und ist ein Kommunikationsstandard, der es elektronischen Musikinstrumenten, Computern und Studiogeräten ermöglicht, miteinander zu kommunizieren. Der entscheidende Punkt: MIDI überträgt keine Audiosignale, sondern ausschließlich Steuerungsdaten – also Informationen darüber, welche Note gespielt wird, wie hart sie angeschlagen wurde und wie lange sie gehalten wird. Den tatsächlichen Klang erzeugt erst das empfangende Gerät, etwa ein Synthesizer, Sampler oder eine VST-Plugin.
Was MIDI-Daten enthalten
Eine MIDI-Nachricht besteht aus kompakten Datenpaketen. Die wichtigsten Typen sind Note On / Note Off (welche Taste gedrückt oder losgelassen wird), Velocity (Anschlagstärke, Werte von 0–127), Control Change (CC) (Steuerungsbefehle für Regler wie Lautstärke, Panorama, Modulationsrad oder Filterparameter) und Pitch Bend (stufenlose Tonhöhenänderung). Dazu kommen Program Change (Klangwechsel) und Aftertouch (Druckempfindlichkeit nach dem Anschlag). Alle Werte bewegen sich im MIDI-1.0-Standard im Bereich von 0–127 – eine Auflösung von 7 Bit.
MIDI-Kanäle
MIDI arbeitet mit 16 unabhängigen Kanälen pro Verbindung. Das bedeutet, dass über ein einziges MIDI-Kabel bis zu 16 verschiedene Instrumente oder Klangerzeuger separat angesteuert werden können. In einer DAW lässt sich jede MIDI-Spur einem bestimmten Kanal und einem Zielinstrument zuweisen – so steuerst du Drums, Bass, Synthesizer und Streicher über separate Kanäle, auch wenn alle Daten vom selben Controller kommen.
Verbindungsarten
Klassisch wurde MIDI über 5-polige DIN-Stecker übertragen (MIDI In, Out, Thru). Heute ist USB-MIDI der Standard bei den meisten Controllern und Interfaces – kein zusätzliches MIDI-Interface nötig, einfach per USB an den Rechner anschließen. Daneben gibt es MIDI over Bluetooth für kabellose Verbindungen und MIDI over Network (z. B. rtpMIDI) für die Verbindung mehrerer Rechner im Studio.
MIDI in der Praxis
MIDI ist das Rückgrat der modernen Musikproduktion. Ein MIDI-Keyboard oder Pad-Controller (z. B. Akai MPK Mini, Native Instruments Komplete Kontrol, Novation Launchpad) sendet Noten und Steuerbefehle an die DAW, wo VST-Instrumente den Klang erzeugen. Der große Vorteil: MIDI-Daten lassen sich nachträglich beliebig bearbeiten – Noten verschieben, Velocity ändern, Timing quantisieren – ohne die Aufnahme wiederholen zu müssen. Auch die Steuerung von Mixer-Parametern, Lichtanlagen und Hardware-Synthesizern erfolgt häufig über MIDI.
MIDI 2.0
Seit 2020 gibt es den MIDI-2.0-Standard, der die größte Erweiterung seit der Einführung 1983 darstellt. Die wichtigste Neuerung: eine deutlich höhere Auflösung von 32 Bit statt 7 Bit für Velocity und Controller-Werte. Das ermöglicht wesentlich feinere Abstufungen bei Anschlagdynamik und Reglerbewegungen. Außerdem bietet MIDI 2.0 bidirektionale Kommunikation – Geräte können sich gegenseitig ihre Fähigkeiten mitteilen. MIDI 2.0 ist vollständig abwärtskompatibel zu MIDI 1.0.